| Beitrag zur
Ausstellung "1150 - Fridingen zeigt aktuelle Kunst"
Manchmal kommt es anders als man denkt. Und manchmal kommt
das auch noch schneller oder früher als einem lieb ist.
In diesem speziellen Fall war diese unliebsame Begebenheit
aber noch so lang vor der Vernissage, dass die vermeintliche
Vernichtung noch in eine Neuentstehung verwandelt werden konnte.
Die fünf beteiligten Künstler der Gruppenausstellung
- Willi Bucher, Gegi Hermann, Hans-Jürgen Kossack, Ramon
Schwarz und ich - hatten uns entschieden, je eine Arbeit zu
machen, die in einem 1150 cm2 grossen Kistchen Platz findet
und nebeneinander platziert wird. Mein Beitrag sollte sich
auf die vormals österreichische Geschichte Fridingens
beziehen.
Vor zehn Jahren fand ich in Wien eine Trainingsjacke, die
ich gerne getragen habe, vor allem im nicht österreichischen
Gebiet. Dies stieß aber nicht überall auf Begeisterung.
Mit der Zeit wandelte sich aber mein Begriff von Heimat und
so verschwand die Jacke immer tiefer im textilen Fundus. Für
die Ausstellung tränkte ich die Jacke in Gips, pinselte
sie mit Farbe und quetschte sie in die dafür vorgegebene
schwarze Kiste. Doch dieses Objekt überlebte die Aufhängung
in der Ausstellung nicht. Circa 48 Stunden vor der Vernissage
war ich zum Umdenken gezwungen.
So säuberte ich die Jacke von Farbe und Gips, substrahierte
die Buchstaben vom Jackenrücken und befestigte sie demontierbar
auf einem roten Lodenstoff. In einer temporären Anordnung
der Buchstaben lässt sich der Nationenbegriff so stören
oder unleserlich deformieren. Ein Objekt in Wandlung. Der
Nutzer greift in die Kunst ein ohne vom Künstler reguliert
werden zu können. Daher freue ich mich sehr über
die Destruktion der Arbeit kurz vor der Vernissage. Neu muss
nicht unbedingt schlecht sein.
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