Tobias Maximilian Schnell
ESTÖRREICH

weiss ohne rot
ist wie
Curry ohne Mayo

Objekt 2011 - Textil, Nadeln - B*H*T 40*40*12
Beitrag zur Ausstellung "1150 - Fridingen zeigt aktuelle Kunst"

Manchmal kommt es anders als man denkt. Und manchmal kommt das auch noch schneller oder früher als einem lieb ist. In diesem speziellen Fall war diese unliebsame Begebenheit aber noch so lang vor der Vernissage, dass die vermeintliche Vernichtung noch in eine Neuentstehung verwandelt werden konnte.
Die fünf beteiligten Künstler der Gruppenausstellung - Willi Bucher, Gegi Hermann, Hans-Jürgen Kossack, Ramon Schwarz und ich - hatten uns entschieden, je eine Arbeit zu machen, die in einem 1150 cm2 grossen Kistchen Platz findet und nebeneinander platziert wird. Mein Beitrag sollte sich auf die vormals österreichische Geschichte Fridingens beziehen.
Vor zehn Jahren fand ich in Wien eine Trainingsjacke, die ich gerne getragen habe, vor allem im nicht österreichischen Gebiet. Dies stieß aber nicht überall auf Begeisterung. Mit der Zeit wandelte sich aber mein Begriff von Heimat und so verschwand die Jacke immer tiefer im textilen Fundus. Für die Ausstellung tränkte ich die Jacke in Gips, pinselte sie mit Farbe und quetschte sie in die dafür vorgegebene schwarze Kiste. Doch dieses Objekt überlebte die Aufhängung in der Ausstellung nicht. Circa 48 Stunden vor der Vernissage war ich zum Umdenken gezwungen.
So säuberte ich die Jacke von Farbe und Gips, substrahierte die Buchstaben vom Jackenrücken und befestigte sie demontierbar auf einem roten Lodenstoff. In einer temporären Anordnung der Buchstaben lässt sich der Nationenbegriff so stören oder unleserlich deformieren. Ein Objekt in Wandlung. Der Nutzer greift in die Kunst ein ohne vom Künstler reguliert werden zu können. Daher freue ich mich sehr über die Destruktion der Arbeit kurz vor der Vernissage. Neu muss nicht unbedingt schlecht sein.